Warum Merz' Büroleiter Jacob Schrot gehen muss

Außerdem: Woidkes Scheitern und Brandenburgs Debakel

Heldin des Tages: Skirennfahrerin Noa Szollos

Sie hat etwas geschafft, was noch keiner Athletin vor ihr gelungen ist: Skirennfahrerin Noa Szollos (22) hat im Slalom von Kranjska Gora (Slowenien) als erste Sportlerin überhaupt alpine Weltcup-Punkte für Israel geholt. Mit Startnummer 70 ging die Skifahrerin ins Rennen – und kämpfte sich bis auf Platz 28 nach vorne, holte so die Punkte.

Dass sie als Erste für Israel gepunktet hat, macht den Moment noch größer für sie. „Das ist schon ganz, ganz speziell“, sagte sie nach ihrem historischen Erfolg. Ihr Vater Peter vertrat als alpiner Skirennläufer Israel in den 1990er Jahren. Sein größter Erfolg war der 18. Platz bei einem Slalom in St. Moritz. Noa Szollos stammt aus Budapest und lebt auch dort. Sie startet für den israelischen Verband.

Warum Merz' Büroleiter Jacob Schrot gehen musste

Friedrich Merz mit seinem Ex-Koordinator Jacob Schrot

Am Ende konnte er dann doch nicht Kanzler. Ein Kalauer, über den er schon lange nicht mehr lachen konnte. Immer wieder wurde Jacob Schrot (35) auf seine frühe TV-Karriere im ZDF angesprochen, wo er 2009 die Debatten-Show „Ich kann Kanzler“ gewonnen hatte. Zum Kanzler hat er es nicht geschafft, aber viel näher an den Regierungschef heran kommen nur wenige.

Schrot, bis vor wenigen Tagen einer der mächtigsten Männer der deutschen Politik, ist nicht länger Büroleiter von Kanzler Friedrich Merz (CDU), sondern wird sich neuen Herausforderungen zuwenden, wie es gestern in den öffentlichen Texten hieß. Was man so sagt. Eine Trennung in bestem Einvernehmen, künftiger Kontakt inklusive.

Schrot, der eigentlich im Hintergrund für Merz hätte arbeiten und organisieren sollen, hatte intern den Spitznamen „Der Mann im Vordergrund“, weil er bei fast jeder Gelegenheit mit dem Kanzler auf Fotos erschien. Noch zu Zeiten von Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) war der Junge mit dem spöttischen Grinsen aus Brandenburg an der Havel in der Abteilung Außenpolitik des Kanzleramts tätig, wurde später Assistent des krachend gescheiterten Kanzlerkandidaten Armin Laschet und schließlich Büroleiter von Friedrich Merz.

Schon dieser Werdegang hätte sich unter normalen Bedingungen nie ereignen dürfen. Ein Spitzenkandidat, der die Mitarbeiter seiner gescheiterten Vorgänger übernimmt, hat offenbar keinen Kompass oder akute Personalnot.

Schon im Wahlkampf waren Schrot und Merz gemeinsam etwa beim Treffen mit Frankreichs Präsident Macron in Paris unterwegs und entwickelten ein von vielen beargwöhntes „Vater-Sohn-Verhältnis“, wie es im Umfeld immer wieder hieß. Schrot teilte mit Merz die Vorliebe für Außenpolitik und war in einer Welt politisch sozialisiert worden, in der die Illusion einer regelbasierten Weltordnung die Handlungen bestimmt hatte. Als er dann auch noch zum Büroleiter des neu geschaffenen nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde, war für viele in der Union endgültig das Maß des Erträglichen voll.

Der Grund: Die Büroleitung des Kanzlers ist Frühwarnsystem, Feuerwehr, Lotse und Hintergrundstratege in einem und kein fröhlicher Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Dazu laufen die Geschäfte von Merz von Anfang an zu schlecht. Merz – ohnehin nur begrenzt beratungsfähig – lief immer wieder in unnötige Fallen, die seinem Büro hätten auffallen müssen: Stehen Mehrheiten in der Fraktion? Ist die einseitige Ukraine-Fixierung wirklich klug und in Deutschland in dieser Tonlage vermittelbar? Kann es gutgehen, sowohl der Jungen Union als auch dem Koalitionspartner beim Thema Rente Unterstützung zu signalisieren oder zur vermeintlichen Nato-Rettung die Verteidigungsausgaben drastisch hochzufahren? Die Kommunikationsstrategie in der „Stadtbild“-Debatte war ein Desaster und die Wirtschaftsverbände gehen inzwischen frontal auf den Kanzler los.

Nun also geht Schrot und der frühere Geschäftsführer des Parlamentskreises Mittelstand (PKM), Büroleiter und enge Vertraute von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, Philipp Birkenmaier, rückt ins Zentrum der Macht vor. Birkenmaier bringt zumindest vom Habitus eine Qualität mit, die zentral ist für diesen Job: das dezente Wirken im Hintergrund.

Philipp Birkenmaier

Interessant ist diese Personalie durchaus: In der Union wird von vielen jetzt gejubelt, dass nunmehr der deutlich konservativere PKM und der ordnungspolitisch verlässliche Wirtschaftsrat einen Mann bei Merz platziert und die Wirtschaftskompetenz des Kanzleramts damit gestärkt hätten. War nicht Wirtschaftskompetenz die wichtigste Kompetenzzuweisung des BlackRock-Mannes Merz? Braucht der Wirtschaftsfachmann jetzt einen Kompass für Wirtschaft?

Die Wahrheit ist, dass die Performance von Kanzler, Amt und Partei insgesamt nicht stimmen, die Umfragen schlecht sind und die Stimmung an der Basis noch schlechter ist. Die Partei wird nervös im Schicksalsjahr der Union mit fünf Landtagswahlen. Ob Birkenmaier daran etwas ändern kann, wird man sehen. Den sprunghaften Politikstil von Merz wird er nicht ändern und dessen Beratungsresistenz und Harmoniesucht mit der SPD wohl auch nicht.

Birkenmaier soll im Vorzimmer reparieren, was im Kanzlerbüro verbockt wird. Zu beneiden ist er nicht um den neuen Job.

Woidkes Scheitern und Brandenburgs Debakel

Robert Crumbach (ehemals BSW), Brandenburgs Minister der Finanzen und für Europa

Dieses Experiment war zum Scheitern verurteilt: In Brandenburg hat die Regierungskoalition aus SPD und BSW ihr Verfallsdatum endgültig überschritten. Gerade dreizehn Monate ist es her, dass der Potsdamer Landtag das wacklige Bündnis ins Amt hob. Mit dem gestrigen Austritt des BSW-Finanzministers Robert Crumbach aus Partei und Fraktion sind alle Gemeinsamkeiten aufgebraucht.

Crumbach will sich der SPD wieder anschließen, der er schon einmal angehörte. Außerdem erwartet er, dass SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke nun der CDU Koalitionsgespräche anbietet. Durch seinen, durch Crumbachs angekündigten Parteiwechsel hätte Schwarz-Rot eine knappe Mehrheit.

Dieses peinliche Ende kennt nur Verlierer. Das BSW hat sich selbst entzaubert. Es übernahm Regierungsverantwortung, ohne in der Breite regieren zu wollen.

Das ehemalige „Bündnis Sahra Wagenknecht“, das jetzt „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ heißt, war zu seinen Wählern ungerecht und im Kabinett unvernünftig. Wer mit fundamentaloppositionellen Tönen den Wahlkampf bestreitet, darf sich nicht wundern, wenn der Gang auf die Regierungsbank weder gelingt noch goutiert wird.

Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg

Ein großer Verlierer ist auch Dietmar Woidke. Der Ministerpräsident rettete eine schlingernde SPD über die Ziellinie auf Platz 1, weil er nur als Wahlsieger im Amt zu bleiben versprach. Der Woidke-Bonus machte im September 2024 den Olaf-Scholz-Malus wett.

Nun zeigt sich: Ein Personenwahlkampf lässt sich zwar gewinnen. Wenn auf ihn aber ein trauriges Regieren und ein müdes Lavieren folgen, wird der Abschied von der Macht nur verzögert. Aktuell erreicht die brandenburgische SPD in Umfragen 22 Prozent – ein Absturz von fast neun Punkten.

Der größte Verlierer aber wäre das Brandenburger Wahlvolk, sollte es zum bloßen Wechsel des Koalitionspartners kommen, um Woidke das Amt zu sichern. Die CDU im Stammland Fontanes ist klinisch tot. 

Das historische Tief von 12,1 Prozent lässt keine Fragen offen. Sollten sich die Christdemokraten als Ersatzrad für Woidkes Präsidentenlimousine hergeben, wäre der Absturz ins Bodenlose programmiert.

Aus all dem kann es nur einen Ausweg geben: Der Wähler muss das Wort erhalten, selbst wenn es angesichts einer bei aktuell 35 Prozent notierenden AfD zur abermals schwierigen Regierungsbildung käme. SPD und BSW haben das Vertrauen in ihre politische Kompetenz ruiniert. In einer solchen Situation hat der Wähler das vornehmste demokratische Recht überhaupt. Er muss sagen, wie und von wem er regiert werden will.

Kai Wegner – die Galionsfigur des politischen Versagens

Die Galionsfigur des politischen Versagens in diesen Tagen ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner. Drei Milliarden Euro will er schuldenfinanziert für neue Bäume in der Hauptstadt ausgeben. Eine Milliarde Euro im Jahr kostet die Unterbringung von illegalen Migranten die Stadt jedes Jahr.

Aber für ein paar Hotelzimmer für alte Menschen ist offenbar kein Geld da. Eine 98-jährige Frau wird auf einem Feldbett in einer Turnhalle abgelegt und dann auch noch für Kai Wegners Polit-PR missbraucht.

Statt in behüteter Pflege muss die 98-jährige Frau in einer Turnhalle schlafen und auch noch für Wegners PR herhalten.

Am ersten Tag des Anschlags, am vergangenen Samstag, war Kai Wegner komplett abgetaucht. Einen Krisenstab berief er erst 13 Stunden nach dem Anschlag ein, erschien aber nicht persönlich, sondern schaltete sich digital dazu. Niemand weiß, wo Wegner wirklich war, als Zehntausende Menschen mit den Auswirkungen eines linksextremen Terroranschlags kämpften. Kai Wegner behauptet, er hätte sich zuhause „eingeschlossen“. Das sagt er wirklich.

„Ich habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren. Weil ich glaube, das hilft den Menschen noch mehr. […] Ich war zu Hause, habe mich in meinem Büro zu Hause eingeschlossen – im wahrsten Sinne – und habe dann koordiniert.“

Kai Wegner am Sonntag auf einer Pressekonferenz

In der Geschichte katastrophaler politischer Kommunikation ist dieser Satz ein historisches Highlight: „Ich habe mich zuhause eingeschlossen.“

Es könnte in solch dramatischer Lage keine falschere Reaktion geben, als sich fernab der eigenen Einsatzkräfte und Experten in Berlin Kladow zu verbarrikadieren und die Menschen ihrem Schicksal zu überlassen.

Im September 2026 wird in Berlin gewählt. Wenn die Wähler in der Hauptstadt sich an diese verheerenden Tage im Januar erinnern, werden sie Kai Wegner für immer nach Hause schicken.

Wirklich voll auf E?

Wer mit Strom heizt, hat bei Stromausfall keine Heizung.

Alles soll elektrisch werden: Mobilität, Wärme, das gesamte Leben – betrieben mit Strom, am besten aus Windrädern, Solaranlagen und Akkus.

Der von Linksterroristen verursachte Stromausfall in Berlin, der Zehntausende seit Tagen in der klirrenden Kälte bibbern lässt, zeigt jedoch zweierlei: zum einen, wie essenziell die Energiequelle Strom ist; zum anderen, wie verwundbar wir ohne sie sind – beziehungsweise wie leicht es offenbar ist, uns an genau dieser Stelle zu treffen. (Als Drittes zeigt er auch, was Berlin für ein Failed State ist; aber das hat mit Strom nichts zu tun).

Umso verwunderlicher ist es, dass es ausgerechnet dieselben Leute sind, die das gesamte Leben elektrifizieren wollen, die gleichzeitig auch vor der hybriden Kriegsführung eines Wladimir Putin warnen, der genau diese Infrastruktur ins Visier nehmen könnte.

Der eine nennt das Schizophrenie – der andere die Kunst der Linken, mit eklatanten Widersprüchen erstaunlich gut zurechtzukommen.

Es bleibt die Frage: Ist es wirklich eine so gute Idee, Deutschland komplett elektrifizieren zu wollen, wenn wir (offensichtlich) so verwundbar sind?

Ab 6 Uhr bei NIUS Live: Explosionsgefahr bei Hunderten Wärmepumpen nach Stromausfall

Der Tag beginnt mit NIUS: Heute begrüßen wir unsere Vize-Chefredakteurin Pauline Voss sowie NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt zum Talk mit Moderator Alexander Kissler live im NIUS Studio. Zugeschaltet ist außerdem Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel.

Sie können die Sendung ab 6 Uhr live auf YouTube sehen und im NIUS Radio hören. Sollten Sie die Folge verpassen, können Sie sie sich auch nachträglich in unserer NIUS Mediathek ansehen – wann immer Sie mögen.

Und nicht vergessen: kommentieren, liken, teilen, abonnieren!

Impressum VIUS SE & Co. KGaA
Ritterstraße 24-27
10969 Berlin Deutschland (Sitzland)
Telefon: +49 (0)30 - 2000443-00
E-Mail: [email protected]

Die VIUS SE & Co. KGaA wird gerichtlich und außergerichtlich vertreten durch die persönlich haftende Gesellschafterin VIUS Management SE, Berlin (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 245682 B), diese vertreten durch ihre geschäftsführenden Direktoren Christian Opitz, Julian Reichelt und Vera Regensburger.

Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes (V.i.S.d.P)
Julian Reichelt

Mitglieder der Chefredaktion
Ute Oelker

Handelsregister
Amtsgericht Charlottenburg, HRB 247426 B

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
DE357951080

Verantwortlich gemäß § 18 Abs. 2 MStV
Julian Reichelt
Ritterstraße 24-27
10969 Berlin

Zuständige Regulierungsbehörde:
Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb)

Zuständiger Jugendschutzbeauftragter:
Philippe Fischer

Informationen zur Verbraucherstreitbeilegung
Die Europäische Kommission stellt unter https://ec.europa.eu/consumers/odr/ eine Plattform zur Online-Streitbeilegung (OS) bereit. Wir sind nicht bereit oder verpflichtet, an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen.

Reply

or to participate.